Perlenwoche: Sanfter Schimmer auf Zifferblättern

Perlmutt ist mit der Perle sehr eng verwandt.

Chemisch gesehen ist der Schritt von der Perle zum Perlmutt recht klein. Beide entstehen in schalenbildendenden Mollusken, und beide bestehen aus demselben Grundstoff: Calciumcarbonat. Allein der Masseanteil unterscheidet beide voneinander. 80 bis 92 Prozent sind es bei der Perle, rund 95 Prozent Calciumcarbonat sind es beim Perlmutt.

Damit soll der trockenen Wissenschaft schon genüge getan sein. Denn keine chemische Formel kann den die Faszination des irisierend schimmernden Materials beschreiben, das die Menschen schon seit Urzeiten zu Schmuck verarbeiten. Auf einigen polynesischen Inseln wurden Perlen und Perlmutt übrigens auch als Zahlungsmittel eingesetzt.

Woher kommt der Schimmer?

Der Schimmer, der sich je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall immer wieder verändert, hat seinen Ursprung im Aufbau des Perlmutts: Das Calciumcarbonat lagert sich in hauchdünnen Lagen von einzelnen Kristallen an der Innenseite der Schalen ab, die mit einer hornartigen Substanz namens Conchyn miteinander verbunden sind. Betrachtet man den Querschnitt dieser Lagen unter dem Mikroskop, erinnert einen das Bild an eine Mauer aus unregelmäßigen, flachen Steinen. In dieser Struktur wird das Licht ganz unterschiedlich gebrochen und erzeugt so das charakteristische Schimmern.

Perlmutt unter dem Mikroskop

Die Farbnuancen sind dabei genauso vielfältig wie bei Perlen. Perlmutt aus Tahiti hat die typische dunkle bis schwarze Färbung, aus der Südsee kommen eher Rosé- und Goldtöne. Zudem lässt sich Perlmutt gut einfärben, ohne dass es seinen Schimmer verliert.

Perlmutt in der Uhrmacherei

In der Uhrmacherei ist Perlmutt heute ein recht beliebtes Material für Zifferblätter – vor allem bei Damenuhren. Die Verarbeitung ist allerdings kompliziert. Zunächst wird das Rohmaterial in feinste Plättchen geschnitten. Bei hochwertigen Zifferblättern beträgt die Stärke gerade einmal 0,1 bis 0,25 Millimeter. Dem entsprechend sind die Scheiben äußerst zerbrechlich. Zudem ist Perlmutt sehr kratzempfindlich. Der Ausschuss bei der Bearbeitung ist daher relativ hoch.

Die Bearbeitung von Perlmuttzifferblättern – hier bei einer Les Classiques Phases de Lune Automatique von Maurice Lacroix – ist äußerst aufwändig.

Aufwändige Verarbeitung

Ein reines Perlmuttzifferblatt ist äußerst selten. Zumeist wird das Perlmutt mit einer Metall- oder Goldscheibe verklebt und nach dem Trocken auf den erforderlichen Durchmesser gebracht. Dann erfolgt die Weiterverarbeitung. Notwendig ist mindestens eine Bohrung für die Zeiger in der Mitte. Je nachdem, welche Funktionen und Dekorationen gewünscht sind, erfolgen weitere Arbeitsschritte. Die hauchdünne Oberfläche kann graviert, guillochiert, bedruckt oder gefräst werden. Alle Arbeitsschritte müssen mit äußerster Sorgfalt erfolgen, denn auch aufgeklebt bleibt Perlmutt weiterhin sehr empfindlich.

Wie bei den Perlen, lässt sich anhand der natürlichen Färbung die Herkunft des Perlmutts feststellen

Für die Qualität eines Perlmuttzifferblatts gelten übrigens die gleichen Merkmale wie für Perlen: Makellos und ohne Verfärbungen sollte die Oberfläche sein. Ein zu starkes Irisieren ist nicht erwünscht und würde die Ablesbarkeit der Uhr auch schmälern.

Fotos: Maurice Lacroix (1), Brocken Inaglory (2), Mauro Cateb (1)

 

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk ist erfahrener Uhrenredakteur. Wenn er nicht gerade über aktuelle Trends oder historische Aspekte der Zeitmessung recherchiert, beschäftigt er sich mit Höhlenforschung und der Geschichte des Stummfilms. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.

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