Grand Seiko: Auferstehung einer Designikone

Understatement im klaren Design: Top-Modell der 44GS in edlem Weißgold

Weltweit leuchten die Augen der Uhrenkenner, wenn über die Grand Seiko-Uhren erzählen dürfen. Dass der Name der Oberklasseuhren bis heute nur wenigen Laien ein Begriff ist, liegt zum einen daran, dass die Modell außerhalb Japans lange Zeit nur in sub-homöopathischen Dosen auftauchten. Zum anderen mag dieser blinde Fleck auch auf der Verwechselbarkeit der Massenware Seiko und der exklusiven Grand Seiko liegen. Dabei sind die Unterschiede gewaltig: Die Grand Seiko-Modelle werden in einer eigenen Manufaktur gefertigt, deren Uhrmacher sich ausschließlich mit den Top-Modellen des Konzerns beschäftigen. Und in den Räumlichkeiten im Norden Japans fühlt man sich an die Werkstätten der Haute Horlogerie erinnert – egal ob sich diese in Glashütte, Genf, Schaffhausen oder im Vallée de Joux befinden. Auch die Qualitätskriterien an die Werke sind äußerst streng: So dauert der Zertifizierungsprozess für das mechanische Kaliber 9S 17 Tage. Der Grand Seiko-Standard unterscheidet sich von den üblichen Chronometerstandards in zwei Aspekten: Bei Grand Seiko werden die Uhren in sechs statt den üblichen fünf Lagen sowie bei drei statt zwei Temperaturen einreguliert. Die zusätzliche Lage testet den Zeitmesser in einer alltagsnahen Stellung, in der die 12 Uhr Position oben liegt. In dieser Lage wird die Uhr, wenn sie nicht getragen wird, gerne abgelegt. Die zusätzliche Temperatur liegt näher an der Körpertemperatur. Die Idee dahinter: Die Uhren sollen in alltagsähnlichen Situationen getestet werden.

Erst seit wenigen Jahren finden sich die Grand Seikos häufiger in den Auslagen europäischer Juweliere, und entsprechend wächst der Bekanntheitsgrad der Marke kontinuierlich. Nun präsentiert mit der Grand Seiko 44GS ein neues Modell in der Kollektion (die sachlichen Modellbezeichnungen sind vielleicht auch ein Grund für die mangelnde Bekanntheit. Reverso oder Yacht Master bleiben dem Laien einfach besser im Gedächtnis).

Gold oder Stahl: Jede Variante der 44GS ist eine Hommage an ein Modell aus dem Jahr 1967

Ein Modell – vier Varianten
Die Grand Seiko 44GS ist eine Replik auf ein gleichnamiges Modell aus dem Jahr 1967, das das Designkonzept der Original Grand Seikos nachhaltig veränderte. Mit dieser Uhr wurde der typisch japanische, unverwechselbar schlichte und gleichzeitig hochwertige Stil von Grand Seiko geboren. Er reflektiert in seiner Klarheit den von der japanischen Kultur geschätzten subtilen Schönheitssinn. Das klare Design wird durch ein konsequentes Einhalten uhrmacherischer Ideale komplementiert: Präzision, Langlebigkeit und optimale Ablesbarkeit. Die neue limitierte Replik der 44GS bleibt mit einer Gehäusegröße von 38 Millimetern und einer Höhe von 10,9 Millimetern ihrem Vorgängermodell von 1967 weitestgehend treu. Bei der Edelstahl-Ausführung sind Zifferblatt und Zeiger identisch mit dem Original.

Nur das Innenleben der vier Varianten umfassenden Kollektion wurde modernisiert. Hier arbeitet das 2011 vorgestellte Kaliber 9S64, dessen acht Halbschwingungen pro Sekunde (also 28 800 Halbschwingungen in der Stunde) eine Ganggenauigkeit zwischen plus fünf und minus drei Sekunden pro Tag gewährleisten. Die Gangreserve beträgt 72 Stunden. Dank der Präzision von Seikos neuesten Polissagetechniken wird bereits das Berühren und Betrachten der neuen 44GS-Modelle zum besonderen Erlebnis – vom Tragegefühl ganz zu schweigen.

Zur Auswahl stehen Modelle in Edelstahl (5700 Euro), Gelb- (19 000 Euro), Rosé- (19 000 Euro) oder Weißgold (20 000 Euro).

 

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk ist erfahrener Uhrenredakteur. Wenn er nicht gerade über aktuelle Trends oder historische Aspekte der Zeitmessung recherchiert, beschäftigt er sich mit Höhlenforschung und der Geschichte des Stummfilms. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.

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