Jewelblog trifft: Marc Gläser und Markus Wojnar von Maurice Lacroix

„Ohne Asien kein Wachstum“

 

Neue Besitzverhältnisse, neuer Geschäftsführer und eine überarbeitete Strategie – Maurice Lacroix stellt seine Weichen in Richtung Zukunft. Marc Gläser, seit Januar 2012 Geschäftsführer von Maurice Lacroix, und Markus Wojaner, Geschäftsführer Maurice Lacroix Deutschland, berichten im Interview mit jewelblog, dass eine neue Strategie nicht einen kompletten Richtungswechsel bedeutet und dass man ohne Asien heute kein Wachstum erreichen kann.

jewelblog: Welches Signal haben Sie von der Baselworld 2012 mitgenommen?
Markus Wojnar: Wir konnten die Händler mit unseren neuen Produkten begeistern und sehen sehr positiv in das Jahr 2012.

jewelblog: Maurice Lacroix wird in diesem Jahr acht Boutiquen eröffnen, darunter eine in Berlin. Welche Funktion werden diese Flagship-Stores für das Unternehmen haben?
Wojnar:In erster Linie wollen wir natürlich Uhren verkaufen. In Berlin werden wir in einer der absoluten TOP-Lagen die erste Boutique Deutschlands eröffnen. Wir sehen ein Flagship-Store aber auch als Plattform für die Darstellung unseres kompletten Produktportfolios und als „Brand-Bulding-Maßnahme“.

„Wir sehen positiv ins Jahr 2012.“

jewelblog: Welche Auswirkungen wird die Boutique auf die umliegenden Konzessionäre haben?
Wojnar: Die Konzessionäre werden von der Präsentation der Marke, sowie den PR – und Werbemaßnahmen rund um die Boutique und die Marke, profitieren. Wir wollen eine steigernde Begehrlichkeit für unsere Produkte auslösen.

jewelblog: Ist dieses Konzept ein Signal, das Maurice Lacroix wieder stärker die Uhren-Oberklasse betont?
Wojnar: Das Konzept ist ein internationales Konzept, das die Marke hochwertig positionieren wird und ein Statement für Qualität, Wertigkeit und Innovation gibt.

„Eigene Uhrwerke sind für die Glaubwürdigkeit wichtig.“

jewelblog: Die neuen Besitzer haben in ihren Statements rund um die Baselworld das Thema Expansion stark in den Vordergrund gerückt. Wie wird dabei vorgegangen?
Marc Gläser: Der Fokus liegt in den starken Wachstumsmärkten in Asien. Vornehmlich China, Hongkong, aber auch Singapore und Taiwan. Wir wollen auch in Zentraleuropa wachsen, wo wir die Distribution selber machen. Maurice Lacroix hat in allen Märkten Wachstumsmöglichkeiten, weil wir uns wieder auf das Preissegment zwischen 1000 und 5000 Schweizer Franken konzentrieren. Wir wollen die Stückzahlen wie auch den Durchschnittspreis erhöhen.

jewelblog: Was bedeutet das für den deutschen Markt?
Wojnar: Im deutschen Markt werden wir unsere Zielgruppe noch besser ansprechen können, mit Produkten in der Mittelpreislage, aber auch mit innovativen Produkten aus der Manufakturkollektion sowie der Pontos-Kollektion.

jewelblog: Wie wichtig sind die asiatischen Märkte für Maurice Lacroix im Augenblick?
Gläser: Für das Wachstum sehr wichtig. Zurzeit liegt unser Marktanteil dort bei 40 bis 45 Prozent.

jewelblog: Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung der Marke Maurice Lacroix in Asien von der in Zentraleuropa?
Gläser: In Asien sind wir vornehmlich als mechanische Uhrenmarke positioniert. Bei den Damenmodellen gilt dies aber nicht.

jewelblog: Kann eine hochwertige Uhrenmarke heute ohne Asien überhaupt noch überleben?
Gläser: Überleben schon. Aber das Wachstum wird schwierig.

jewelblog: In Basel wurde das nun schon elfte eigene Uhrwerk vorgestellt. Welche Funktion hat dieser Ausbau der Manufakturkompetenz für Maurice Lacroix?
Gläser: Für unsere Glaubwürdigkeit im mechanischen Bereich sowie in der Unabhängigkeit sind diese Entwicklungen sehr wichtig.

jewelblog: Wie ist das prozentuale Verhältnis (in Stückzahlen gerechnet) von Manufaktur/Zulieferwerken im Augenblick?
Gläser: Im Augenblick haben die Manufakturwerke einen Anteil von zehn Prozent.

jewelblog: Kann die Unabhängigkeit von Werkelieferanten ein Ziel für Maurice Lacroix sein?
Gläser: Nein. Wir wollen ja gerade im Bereich 1000 bis 5000 Franken stark bleiben. In dieser Preiskategorie sind wir auf hochwertige und preiswerte Werke angewiesen.

 

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk ist erfahrener Uhrenredakteur. Wenn er nicht gerade über aktuelle Trends oder historische Aspekte der Zeitmessung recherchiert, beschäftigt er sich mit Höhlenforschung und der Geschichte des Stummfilms. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.

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