Baselworld 2013 : Harry Winston und die Faszination des Wirbelwinds

Mit seiner Kollektion Histoire de Tourbillon geht Harry Winston seit einigen Jahren der Frage nach, wie sich der Mechanismus des Tourbillons mehr als 2000 Jahre nach seiner Erfindung weiterentwickeln lässt. Auch der jüngste Neuzugang der Marke, die seit kurzem zur Swatch Group gehört, huldigt dem Erfindergeist, der in allen Zeitmessern dieser Kollektion seit ihrer Lancierung zum Ausdruck kommt. Die radikale Neuinterpretation des Tourbillon-Themas weist die Histoire de Tourbillon 4 als ein echtes Kind des 21. Jahrhunderts aus. In ihrer ausgefallenen Ästhetik spiegeln sich das Design der Avantgarde und die Kompromisslosigkeit des Präzisionsinstruments wider.

Sein Erfinder patentierte das Tourbillon (deutsch: Wirbelwind) im Jahre 1801 als Lösung für ein typisches Problem der Taschenuhren, die meist in senkrechter Position in einer Westentasche getragen wurden – dadurch konnte die Schwerkraft störenden Einfluss auf die Ganggenauigkeit der Uhr nehmen. Damals genügte ein auf einer einzelnen Ebene rotierender Tourbillonkäfig. Eine moderne Armbanduhr hingegen, die im Laufe eines Tages alle erdenklichen Positionen einnimmt, erfordert eine ungleich komplexere Lösung – und aus dieser Problemstellung heraus entstand die Histoire de Tourbillon 4.

History meets modern Design: Bei der Histoire de Tourbillon 4 drehen sich gleich drei Tourbillon-Käfige

Im Zentrum der Histoire de Tourbillon 4 steht eine einzelne Unruh, die in insgesamt drei Tourbillonkäfigen montiert ist, die sich nicht nur mit verschiedenen Geschwindigkeiten, sondern auch auf gegeneinander verschränkten Rotationsebenen drehen. Da sich eine Armbanduhr permanent im dreidimensionalen Raum bewegt musste das Tourbillon selbst ebenfalls zum dreidimensionalen Objekt werden. Der innere Käfig, in dem Unruh und Hemmung untergebracht sind, dreht sich einmal in 45 Sekunden. Der ihn umgebende mittlere Käfig dreht sich einmal in 75 Sekunden, und der äußere Käfig benötigt für eine Umdrehung 300 Sekunden. Die kombinierte Bewegung aller drei Käfige sorgt dafür, dass die Schwerkraft zu keinem Zeitpunkt die regelmäßigen Schwingungen der Unruh stören kann.

Im gesamten Uhrwerk der Histoire de Tourbillon 4 finden sich zahlreiche konstruktive Feinheiten, die dem Mechanismus höchste Effizienz und sekundenbruchteilgenaue Gangpräzision sichern. Zum Beispiel die beiden schnell drehenden Federhäuser, die aufgrund geringerer Reibungsverluste mehr Energie bereitstellen, oder das Tourbillon, das trotz seiner Dimensionen gerade einmal 1,57 Gramm auf die Waage bringt.

Um dem delikaten Tourbillon-Mechanismus eine leichte, stabile und korrosionsbeständige Plattform zu bieten, wurden Platine und Brücken des Uhrwerks aus Titan gefertigt.

Die in verschiedenen Ebenen arrangierten Tourbillonkäfige sind mit einem zweischenkligen Sekundenzeiger ausgestattet, der wie ein Flugzeugpropeller geformt ist. Kräftige, moderne Farben und das offene Zifferblatt, das tiefe Einblicke in die Technik gestattet, unterstreichen die Anspielungen an Formen der modernen Architektur und des Maschinenbaus und schlagen gleichzeitig eine stilistische Brücke zu klassischen Cockpit-Armaturen.

Die ebenfalls in verschiedenen Ebenen angeordneten, gewölbten Saphirgläser und die ineinander verschachtelten Skalenelemente bilden ein mechanisches Metropolis im Kleinformat, ein faszinierendes Utopia uhrmacherischer Perfektion.

Über 3500 aufreibende Stunden Forschungs- und Entwicklungsarbeit stecken in der Histoire de Tourbillon 4; Funktions- und Belastungstests des Hochleistungsuhrwerks sowie Homologationsprüfungen nahmen weitere 400 Arbeitsstunden in Anspruch. Die fähigsten Uhrmacher brauchen 160 Stunden, um die insgesamt 345 Bauteile des Uhrwerks zu montieren und in ein luxuriöses Gehäuse aus Weißgold einzuschalen, dessen Mittelteil und Bandanstöße aus der für Harry Winston typischen Legierung Zalium bestehen.

Dieser exklusive und ausgefallene Zeitmesser wird in einer weltweit auf 20 Exemplare limitierten Auflage produziert.

 

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk ist erfahrener Uhrenredakteur. Wenn er nicht gerade über aktuelle Trends oder historische Aspekte der Zeitmessung recherchiert, beschäftigt er sich mit Höhlenforschung und der Geschichte des Stummfilms. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.

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