Sportuhrenwoche: Carsten Schmidt-Kippig über den Umgang mit Taucheruhren

„Einmal im Jahr sollte die Wasserdichtigkeit getestet werden.“

 

Worauf sollte man beim Kauf einer Taucheruhr achten? Was hat es mit der Angabe der Wasserdichtigkeit auf sich und welche Dinge gilt es am Strand und Meer noch zu berücksichtigen? Carsten Schmidt-Kippig vom Chemnitzer Traditionshaus Juwelier Roller gibt Auskunft.

Carsten Schmidt-Kippig (Juwelier Roller in Chemnitz)

Carsten Schmidt-Kippig

Jewelblog: Bei den meisten Uhren ist die Wasserdichtigkeit in Metern angegeben. Kann man mit einer Uhr, die laut Angaben bis 100 Meter wasserdicht ist, tatsächlich 100 Meter tief tauchen?

Carsten Schmidt-Kippig: Nein, dies ist leider ein häufig angenommener Irrtum. Tatsächlich bedeutet die Angabe einer Wasserdichtigkeit in Metern, dass die Uhr einem Testdruck der entsprechenden Wassersäule standhält. Um diese naheliegende fehlerhafte Schlussfolgerung zu vermeiden, wird neuerdings der Testdruck in Bar (bar) oder Atmosphören (atm) angeben. Bei 100 Meter wären dies 10 bar beziehungsweise 10 atm.

Zudem sei bitte noch zu erwähnen, dass die Wasserdichtigkeit nicht eine dauerhafte Eigenschaft der Uhr darstellt. So kann die Wasserdichtigkeit durch Alterung sowie durch chemische oder thermische Einflüsse, vor allem aber durch Anstoßen an der Krone oder dem Glas beeinträchtigt werden. Sollten Ihnen hier etwas auffallen, empfehlen wir Ihnen die Wasserdichtigkeit in Ihrem Fachgeschäft überprüfen zu lassen.

Jewelblog: Welche Wasserdichtigkeit sollte eine Uhr denn haben, damit man sie bedenkenlos zum Sporttauchen einsetzen kann?

Carsten Schmidt-Kippig: Ab einer Wasserdichtigkeit von 20 atm (200 Meter) wäre eine Uhr auch für den Wassersport und das gerätefreie Tauchen geeignet.

Jewelblog: Und wenn man nur in Strandnähe schnorchelt?

Carsten Schmidt-Kippig: Hier sollte die Wasserdichtigkeit möglichst bei 10 atm (100 Meter) oder höher liegen! Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass gerade hohe Temperaturunterschiede (Sonneneinstrahlung und. kaltes Wasser) der Uhr schwer zu schaffen machen können und die Wasserdichtigkeit hier durch den entstehenden Über- oder auch Unterdruck beeinträchtigt werden kann. Somit gibt die geringere Wassertiefe eher eine trügerische Sicherheit vor.

Jewelblog: Worauf sollte man beim Kauf einer Taucheruhr achten – außer der ausreichenden Wasserdichtigkeit natürlich?

Carsten Schmidt-Kippig: Die Taucheruhr sollte neben der Wasserdichtigkeit von mindestens 20 atm auch stabil und damit druckfest sein. Ein massives und kratzfestes Saphirglas wäre hier ein gutes Detail.

Typischerweise sind die Uhren zur Messung der Tauchzeit mit einer drehbaren Lünette ausgestattet. Wenn diese nur einseitig – gegen den Uhrzeigersinn – drehbar ist, kann die gemessene Tauchzeit aus Versehen nur verlängert werden und führt dadurch dazu, dass der Taucher seine Maximalzeit auch in diesem Fall nicht überschreitet! Einen guten Sitz bei gleichzeitiger Wasserfestigkeit bieten Armbänder aus Metall oder Kautschuk. Sollte die Uhr zudem noch mit einer Faltschließe oder gar einer Taucherverlängerung ausgestattet sein, sichert dies eine sichere Handhabung.

Unter Wasser lässt sich die Uhr – vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen – weitaus schwerer ablesen, als über Wasser. Der Taucher ist gut beraten, hier eine Uhr mit fluoreszierenden Markierungen und einer klaren Typographie zu wählen.

Es sei aber auch erwähnt, dass in Zeiten der Tauchcomputer die klassische Taucheruhr immer mehr zum modischen Accessoire wird und ihre Funktionalität sich in den meisten Fällen auf den redundanten Ersatz im Falle eines Falles beschränkt.

Jewelblog: Gibt es feste Richtlinien, was eine Taucheruhr können muss?

Carsten Schmidt-Kippig: In Deutschland dürfen nur Uhren mit der Auszeichnung „Taucheruhr“ verkauft werden, die die Kriterien der DIN 8306 erfüllen:

  1. Geprüfte Wasserdichtigkeit
  2. Klare Ablesbarkeit von Uhrzeit, gewählter Tauchzeit, Funktionieren der Uhr aus 25 Zentimeter Entfernung – auch bei Dunkelheit
  3. Möglichkeit zur Vorwahl einer Zeitspanne (Timer oder Lünette) 

Jewelblog: Schadet Salzwasser der Uhr?

Carsten Schmidt-Kippig: Die Salzrückstände können die Dichtungen angreifen und die Wasserdichtigkeit gefährden. Daher empfehlen wir nach jedem Kontakt mit Salzwasser, die Uhr gründlich mit Frischwasser abzuspülen.

Jewelblog: Ist das chemisch aufbereitete Wasser im Hallenbad ein Problem für Uhren?

Carsten Schmidt-Kippig: Ähnliches gilt auch für das Wasser öffentlicher Bäder.

Jewelblog: Wie oft sollte ich die Dichtigkeit meiner Taucheruhr überprüfen lassen?

Carsten Schmidt-Kippig: Durch den Einfluss der genannten Faktoren kann Wasserdichtigkeit nicht auf Dauer gewährleistet werden. Um nicht eine böse Überraschung zu erleben, sollte die Uhr bei regelmäßigem Wassereinsatz einmal jährlich auf Wasserdichtigkeit getestet werden.

Jewelblog: Wo kann ich die Dichtigkeit prüfen lassen?

Carsten Schmidt-Kippig: Die meisten Fachgeschäfte mit Uhrmacherwerkstatt bieten diesen Service mit an. Bei uns wäre die Prüfung der Wasserdichtigkeit bis 10 atm mittels elektronischem Messgerät möglich. Für höhere Werte erfolgt der Test mittels Kondenswasserpüfung.

Jewelblog: Welche Spezial-Tipps haben Sie, um sich möglichst lang an der Uhr erfreuen zu können?

Carsten Schmidt-Kippig: Die Dichtungen sollten alle zwei Jahre gewechselt werden, um so der Überalterung vorzubeugen. Zudem ist die Uhr nach Möglichkeit vor übermäßiger Hitze und UV-Strahlung zu schützen. Eine verschraubte Krone ist gerade für die Fälle gut geeignet, wo durch Anstoßen die Wasserdichtigkeit in Gefahr sein könnte. Ansonsten wünschen wir allen Lesern des Blog viel Freude an ihren Uhren und stehen bei allen detaillierten Fragen gern zur Verfügung.

Jewelblog: Vielen Dank für die schnelle und serh informative Beantwortung unserer Fragen.

Zu Juwelier Roller: Das vor 126 gegründete Familienunternehmen wird heute von Andrea und Bernd Kippig und ihrem Sohn Carsten Schmidt-Kippig geführt. Zahlreiche renommierte Schmuck- und Uhrenmarken sowie originelle Designs von Einzeldesignern und aus der eigenen Werkstatt prägen das Sortiment. Das Angebot reicht von Trend- über Design- bis hin zu Luxusschmuck, von Trenduhren über Modelle der gehobenen Mittelklasse bis hin zu seltenen mechanischen Highlights. Zu finden ist Juwelier Roller in der Inneren Klosterstraße 1 (Atelier) und in der Galerie Roter Turm (Trendgeschäft) in Chemnitz sowie online (mit Onlineshop) unter www.juwelier-roller.de. Facebookfans können unter www.facebook.com/juwelierroller liken.

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Carsten Müller

Carsten Müller ist Journalist, Blogger seit 2005 und Herausgeber des JewelBLOGs. Hauptsächlich mit den trockenen Themen befasst, schreibt er in seinem privatem Blog vorrangig über Politik und hier im Jewelblog über die wirtschaftlich relevanten Aspekte der Branche.

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