Fortis: Der Hauch der Zeit

Mit Liese-Lotte Peter, der Grande Dame der Uhrenmarke Fortis, kann man sich wunderbar unterhalten. Über Uhren sowieso, aber eben nicht nur. Bei unserem Treffen auf der Baselworld 2012 sprachen wir irgendwann darüber, dass in einer Gesellschaft, die immer stärker von digitaler Kommunikation und digitalen Welten bestimmt wird, die Sinnlichkeit verloren geht. Es sei doch ein Unterschied, ob man mit jemandem direkt rede oder ihm eine E-Mail schreibe. Einig waren wir uns aber auch, die elektronische Kommunikation nicht zu verteufeln.

Um die Uhrzeit ablesen zu können muss man die Frisson sinnlich erleben

Und dann kamen wir doch wieder auf Uhren zurück – ohne das Thema Sinnlichkeit zu verlassen. Eine schöne Uhr sollte heute nicht nur die Zeit anzeigen – das kann heute jedes Handy. Uhren, zumindest jene der Luxusklasse, sollten heute auch unterschiedlichste sinnliche Erlebnisse sein. Neben dem guten Design, das dem Auge schmeichelt, sollte auch die Haptik stimmen. Die Uhr sollte dem Besitzer oder der Besitzerin beim Anfassen – und natürlich auch beim Tragen – ein angenehmes Gefühl geben.

Ein solch sinnliches Erlebnis der besonderen Art bietet Fortis mit dem Modell Frisson, beim dem Fortis einmal mehr mit dem Designer Rolf Sachs zusammengearbeitet hat. „Ich wollte, dass die Frisson etwas faszinierendes, vollkommen anderes hat. Ich habe handschriftliche Ziffern statt der üblichen dicken Grafiken verwendet, da diese oft steril wirken“, erkärt Sachs seine Idee. Die Ziffern bekommt der Träger der Uhr aber nicht gleich zu sehen. „Das gefrostete Uhrengesicht ergibt ein überraschendes Element, ähnlich der Kondensation eines eisgekühlten Wodka Glases, direkt aus der Tiefkühltruhe“, beschreibt Sachs.

Das Spezialglas wird erst bei Kontakt mit Feuchtigkeit klar

Das Glas hat eine ganz besondere Beschaffenheit, die sowohl Zifferblatt als auch Zeiger nur schemenhaft erkennen lässt, als wäre sie mit einem Schleier verdeckt oder eingefroren. Um die Uhrzeit klar ablesen zu können muss man dieses Glas mit einem nassen Finger berühren oder es anhauchen. So wird aus dem Ablesen der Uhrzeit ein mehrschichtiges sinnliches Erlebnis, an dem sich indes höchstens 999 Uhrenträger erfreuen können. Denn Fortis hat die Produktion der bis 20 Bar druckfesten und 1190 Euro teuren Frisson auf diese Anzahl limitiert.

 

Witold A. Michalczyk

Witold A. Michalczyk ist erfahrener Uhrenredakteur. Wenn er nicht gerade über aktuelle Trends oder historische Aspekte der Zeitmessung recherchiert, beschäftigt er sich mit Höhlenforschung und der Geschichte des Stummfilms. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.

Empfohlene Artikel